
H.E. Sakya Jetsun Chimey Luding weiht mit ihrem Kollegen die Stupa im Garten des buddhistischen Zentrums Pauenhof am Niederrhein, August 2008
Tibetische Ernährung und Medizin
5 Elemente:
Erde: formendes Prinzip
Wasser: zusammenhaltendes Element
Feuer: reifendes Element
Wind: lebenserhaltendes Element
Äther: raumbildendes Element
Körpersäfte: Wind, Schleim, Galle
Wind: Bewusstsein, alles Flüchtige, Luft
Schleim: Erde und Wasser
Galle: Feuer, Stoffwechsel
3 Säfte - 3 Geistesgifte:
Wind - Begierde
Galle - Hass
Schleim - Verblendung
Saft - Sitz - Ausbreitung der Störung:
Wind - Unterkörper - durch den ganzen Körper; Kältekrankheiten
Galle - Körpermitte - steigt nach oben; Hitzekrankheiten
Schleim - Oberkörper - fällt nach unten; Kältekrankheiten
Wind-Krankheiten:
Knochen, Hüften, Gelenke; Ohren, Gehör; Haut, Tastsinn; Herz, Gefäße; Nerven; Magen, Dickdarm; psychosomatische Erkrankungen; hoher Blutdruck; Tinnitus
Begünstigende Faktoren: Höheres Lebensalter; Spätsommer; Regenzeit; Morgengrauen; Abend; windreiches Hochland
Auslöser: Bittere, leichte oder raue Nahrung; Kälte, Wind; langes Fasten; Blutungen; zu viel Sex; Schlafmangel; Durchfall, Erbrechen; Erschöpfung durch Weinen, Kummer; geistige Überanstrengung; Erschöpfung durch anstrengende Tätigkeiten bei leerem Magen; schnelles Abnehmen
Galle-Krankheiten:
Blut; Augen, Sehen; Haut, Schweißbildung; Leber, Galle, Dünndarm, Magen, Oberbaucherkrankungen; roter Kopf, Zornesröte („Galle läuft über")
Begünstigende Faktoren: Jugend, frühes Erwachsenenalter; Herbst; Mittag; Mitternacht; heiße, trockene Regionen
Auslöser: Wutanfall, Hass; zu viel heißes, scharfes, fettiges, salziges Essen; Fleisch; Alkohol; schweres Tragen; Wettkämpfe; zu viel Stehen; Arbeit bei Hitze
Schleim-Krankheiten:
Fleisch, Fett, Mark; Zeugungsorgane; Nase; Zunge; Lunge; Milz; Blase; Nieren; Magen; Frieren; Verstopfung; Verschleimung; Nieren- und Kreuzschmerzen
Begünstigende Faktoren: Kindheit; Frühling; morgens, Dämmerung; feuchtes Klima
Auslöser: bitteres, süßes, schweres, kühles, öliges rohes Essen; Süßigkeiten; zu viel Rohkost; kaltes Wasser trinken; verbrannte Speisen essen; kurz nach einer noch nicht verdauten Mahlzeit wieder essen; Ruhe nach dem Essen; tagsüber schlafen; zu leichte Kleidung nach dem Baden
Brauner Schleim: ist eine Störung aller 3 Säfte und entsteht durch falsche Ernährung. Es ist zu viel Blut in der Leber, dieses kommt in den Magen, mischt sich da mit Schleim und fließt mit dem Wind durch alle Kanäle => zu viel Fett im Blut. Nach westlicher Medizin eine Fettstoffwechselstörung.
Diät: Schnelles Abnehmen gibt Windkrankheiten; zu viel Rohkost vermehrt Schleim und Fett im Blut, macht noch dicker, lähmt das Verdauungsfeuer
Zu viel Kälte im Magen: Störung der Trennung von Nährstoffen und Abfall
Zu viel Verdauungshitze: hier hilft Reis, Gemüse, Salate, wenig Rindfleisch
Magen: ½ feste Nahrung, ¼ flüssige Nahrung, ¼ soll frei bleiben für die Verdauung
Ernährung während der Schwangerschaft:
Zu viel Windnahrung: Kind hat zu viel Windenergie, redet ständig, ist zappelig
Zu viel Hitze: übermütiges Kind
Zu viel ölige Nahrung: dickes Kind, ruhig
6 Geschmacksrichtungen:
Feuer und Erde: sauer
Feuer und Wasser: salzig
Feuer und Wind: scharf
Wasser und Erde: süß
Wasser und Wind: bitter
Erde und Wind: herb
Geschmack - bei Störung von:
Süß, sauer, salzig - Wind
Süß, bitter, herb - Galle
Sauer, salzig, scharf - Schleim
Verdauung verändert den Geschmack
Süß, salzig => süß
Sauer => sauer
Bitter, scharf, herb => bitter
Fleisch: hat süßen Geschmack; nahrhaft und kräftigend
Rind: neutral
Schwein: kühlend
Lamm: hebt Hitze an
Ziege: verstärkt Windstörungen
Huhn: neutral
Wild: Heilung bei Fieber
Fisch: süß, ölig
Getreide: süß
Weizen, Gerste, Hirse, Buchweizen: kühlend
Leinsamen: Wind
Hafer, Mais, Gerste: bei Schleimstörungen
Gemüse: meist süß
Kartoffeln: süß, kühlend, vermehren Schleim
Tomaten: säuernd, gibt leicht Sodbrennen
Hülsenfrüchte: süß mit sauer und herb
Soja: bei geschwächter Verdauungshitze
Obst: enthält viel Wasser, deshalb gut für Darm
Milchprodukte: süß, stärken Schleimenergie; Windtypen vertragen Milch schlecht, v.a. wenn sie kalt ist; Milch nicht zum Essen trinken
Joghurt: sauer
Eier: süß, heiß; heizt Verdauungshitze an
Fett: süß, hitzend; stärkt Wind und Schleim
Butter, Olivenöl: neutral
Gewürze: meist scharf, hitzend, regen Appetit und Verdauung an
Minze, Safran, Kurkuma: kühlend
Getränke: heißes Wasser für die Verdauung und zur Entschlackung; heiße Getränke sind in warmen Ländern besser; 2 l trinken jeden Tag, gut für Stoffwechsel, sonst gibt’s Verstopfung
Alkohol: fördert Verdauungswärme
Kaffee: sauer, bei Windstörungen meiden; Röstung ist entscheidend
Schwarzer Tee: besser als Kaffee
Kräutertee: ist immer o.k.
Fruchtsaft: nicht kalt trinken
Krankheiten werden verursacht durch:
Falsches Denken
Falsche Ernährung
Falsches Verhalten
Ungünstiges Klima
Schlechtes Karma
Einfluss der Planeten
Geister und Dämonen
Diagnose des tibetischen Arztes:
Puls: am wichtigsten
Urin: wenn Pulsdiagnose unklar ist
Zunge: unergiebig und ungenau
Ohrvenen: bei Kindern unter 8 Jahren
Muttermilch: bei Säuglingen
Befragung: selten ausführlich
Körperl. Untersuchung: nie vollständig
Organe: sind Sitz von bestimmten Energien; Unterscheidung Hohlorgane (Darm, Magen...) – kompakte Organe (Herz, Leber, Milz...)
Pulsdiagnose: es gibt 43 verschiedene Pulse; man misst den Fluss der Windenergie im Blut
Urindiagnose: Farbe, Geruch, Dampfbildung, Blasenbildung, Sedimentbildung
Orange: Gallenstörung
Weiß: Schleimstörung
Bläulich: Windstörung
Große Blasen: Windstörung
Kleine Blasen: Hitzestörung
Mittelgroße Blasen: Schleimstörung
Zungendiagnose:
Windstörung: rot, kleine Pustelchen
Gallenstörung: bitter, hellgelber Belag
Schleimstörung: dick, bleich, glanzlos
Krankheit wird geheilt durch:
Religiöses Leben (dharma)
Richtige Ernährung
Richtiges Verhalten
Pflanzenheilmittel (interne Therapie)
Moxabustion (externe Therapie)
Gebete, Mantras (religiöse Therapie)
Heilende Pflanzen: Interne Therapie auf Basis von Pflanzendrogen
Achtung: Tibetische Pillen sind nicht standardisiert!
Kräuterpillen, Abführmittel, Brechmittel, Schnupfmittel, Inhalationen, Klistiere, Massagen, Mineralbäder, Räucherungen
Wirkung tibetischer Mittel tritt nach ca. 2 Wochen ein; sie läuft langsam an; hilft gut bei chronischen Erkrankungen, nicht bei akuten
Tibetische Pillen regulieren die Verschiebung der Säfte
Gegen Schleimstörungen morgens einnehmen
Gegen Windstörungen abends einnehmen
Gegen Hitzestörungen mittags einnehmen
Juwelenpillen: gibt es so nur in der tibetischen Medizin und enthalten oft entgiftetes Quecksilber. Es besteht die Gefahr einer Quecksilbervergiftung! Sie sind keine Wunderpillen oder Allheilmittel; kosten ca. 5 € pro Stück
Gesegnete Pillen: werden von Lamas hergestellt und enthalten die Asche von hohen Lamas. Sie haben starke Heilwirkung und werden als Globuli gepresst.
Padma 28: im Westen bekanntestes tibetisches Heilmittel; enthält 22 Einzelsubstanzen; stimuliert Wind; wirkt kühlend; gegen „Braunen Schleim", zu dickes Blut, Arteriosklerose, Raucherbein, chron. Bronchitis, chron. Nebenhöhlenentzündung, Asthma, Infektanfälligkeit, Hepatitis B, AIDS; öffnet Blutgefässe und hält sie offen; immunstimulierend, stärkt Immunsystem bei Krebspatienten (wie Mistel); bindet freie Radikale; als Prophylaxe bei Herzinfarkt u. Schlaganfall
Externe Heilmethoden:
Aderlass: bei Hitzekrankheiten, Augenleiden, Fieber
Akupressur: bei Kopfschmerzen, Schwindel; regt den Fluss der Energie im feinstoffl. Körper an; Volksmedizin; wird von Frauen aus dem Volk durchgeführt
Akupunktur: Wind und Schleim-Krankheiten, Epilepsie, Schlaganfall, Psychose; die "Golden needle" wird gepiekst in die große und kleine Fontanelle, Wirbelsäule, Brustbein u.a.; bei psychischen Erkrankungen. Darf nicht am „schwarzen Tag" des Arztes oder Patienten durchgeführt werden; Tag wird astrolog. errechnet
Moxabustion: Beifuß wird verbrannt; bei Wind- und Schleim-Krankheiten, Augenleiden, psychosomat. Erkrankungen, Psychosen, Geisteskrankheiten; vertreibt böse Geister, die den Fluss der Windenergie hemmen
Schröpfen: bei Rückenschmerzen und Ischias; bei Ischias
Brenneisen: bei Nervenverletzungen; tibet. Nerven sind nicht wie die westl., sondern sind Energiebahnen
Heilung durch den Glauben: tantrische Medizin; ist an einen tantrischen Meister gebunden; wird im Kalachakra-Tantra (meditative Techniken) beschrieben; zielt auf den feinstoffl. Körper und Blockaden darin. Bindeglied zwischen Religion und Medizin
Chakren-Heilung: bei Krankheiten durch böse Geister und Dämonen; psychiatrische Krankheiten; machen nur hohe Lamas; vertreiben böse Geister; machen nicht die Ärzte, weil es sich um karmische Angelegenheiten handelt. Aus Stirn-, Hals- und Herzchakra des Lamas gehen Strahlen heraus und treffen die Chakren des Patienten; das reinigt Blockaden und beseitigt geistige Verwirrung.
Handauflegen: bei Krankheiten durch böse Geister; machen nur Lamas; lindert Schmerzen; Tibet kennt keine Schmerzmittel
Yoga, Atemübungen, Meditation: bei Schleimkrankheiten; psychogene Krankheiten
Gebete, Mantras: bei Windkrankheiten; unterstützen Heilkraft anderer Therapien; harmonisieren Fluss der Lebensenergie in den Kanälen. Durch Singen vieler Mantras erhält der Atem heilende Energie (=> Anpusten).
Visualisationstechniken: bei Windkrankheiten; unterstützen Heilkraft anderer Therapien
Dharma-Medizin: rein religiös, Vermeidung der 3 Geistesgifte
Gut mit tibetischer Medizin zu behandeln:
Chron. Magen-Darm Krankheiten; Heuschnupfen; Allergien; Muskel- und Gelenkschmerzen; Migräne; Asthma; Bronchitis; Hautkrankheiten; gynäkol. und urolog. Probleme; psychosomat. Symptome; chron. Müdigkeitssyndrom; Depressionen
Zus. mit westl. allopath. Medizin: Diabetes; Herz- und Gefässerkrankungen; Nervenleiden; MS
Austherapierte Krebspatienten fühlen sich durch tibet. Medizin besser
Karmische Erkrankungen: z.B. Lepra, Psychosen, manche Krebsarten
Falsche Ernährung ist Basis vieler Erkrankungen!
Buchtipps:
Ian A. Baker: Das große Buch der tibetischen Heilkunst, Gustav Lübbe Verlag
Dr. Pasang Yonten Arya: Handbuch aller Heilmittel der Traditionellen Tibetischen Medizin, O.W. Barth Verlag
Tenzin Choedrak: Ganzheitlich leben und heilen, Herder Verlag
Ingfried Hobert: Die Praxis der Traditionellen Tibetischen Medizin, O.W. Barth Verlag
Dr. Andrea Überall: Tibetische Hausapotheke, Oesch Verlag
Dr. Andrea Überall: Herb- und Bitterstoffe, Oesch Verlag
Dr. Egbert Asshauer: Tantrisches Heilen und Tibetische Medizin, Aquamarin Verlag
Dr. Egbert Asshauer: Tibets sanfte Medizin, Herder Verlag
Dr. Egbert Asshauer: Meditation und Heilkunst, Aquamarin Verlag
Anton Curic: Die sanfte Heilkunst der Tibeter, H+L Verlag